BUCHEN
Telefonhotline
038393 50 487

Geschichte

Kaum zu glauben, dass das Ostseebad Binz jahrhundertelang ein von der Insel abgeschnittenes Fischerdörfchen war. Ein kleiner geschichtlicher Abriss bringt Ihnen hier die Vergangenheit des
Ortes nahe.

Der Ort Binz wurde 1318 als Fischerdorf Byntze erstmals urkundlich erwähnt. Den Aufschwung vom verschlafenen Dorf zum meistbesuchten Seebad auf der Insel Rügen verdankt Binz dem Fürsten zu Putbus. Um 1830 baden seine Gäste an der Mündung der Ahlbeck. Aufgrund fehlenden Wellengangs in Lauterbach, ließ der Fürst am Strand der Prorer Wiek Badebrücken
bauen. In Schilfhütten und Badekarren konnten seine Gäste sich entkleiden und wurden in den Badekarren von Pferden ins Wasser gezogen.

Im Jahr 1835 wird in Binz eine einklassige Schule errichtet. 11 Jahre später erfolgt die Einweihung des Jagdschlosses Granitz und 1850 können Bauern das vom Fürsten zu Putbus gepachtete Land kaufen.

Die Kunde des attraktiven Seebades im Norden lockt auch Gäste aus nichtadligen Kreisen nach Binz. Im Dorfkrug gibt es ab 1860 Badegäste und 1870 zählt Binz bereits 80 Badegäste im Jahr.
Das erste Hotel wird um 1876 von Kapitän Potenberg gebaut – “Potenbergs Dorfhotel” (das heutige Haus Karin). 1876 entsteht auch die erste Verbindungsstraße zwischen Dorf und Strand – die Putbuser Straße. Wilhelm Klünder baut 1880 das erste Hotel in Strandnähe, am heutigen Standort des Grand Hotels. 1884 wird Binz offiziell Badeort und 1886 konnten bereits 1.000 Gäste gezählt werden.

Das erste Kurhaus wird 1890 gebaut und fünf Jahre später die Strandpromenade angelegt. Im gleichen Jahr wird auch die Bahnstrecke Putbus – Binz errichtet, auf der heute der Rasende Roland fährt. Im Jahr 1896 kommt das Gemeindehaus und Warmbad dazu (heutiges „Haus des Gastes“). 1898 wird das heutige Haus Kliesow als Post errichtet. 1902 wird eine 560 Meter lange Holzbrücke erbaut. Im Jahr 1903 erhielt Binz Trinkwasserversorgung und im Jahr darauf wurde ein Elektrizitätswerk gebaut. Das internationale Publikum erhält Einzug in das ehemalige Fischerdörfchen. Zu dieser Zeit genießen die Gäste allerdings noch nicht so freizügig die Strandfreuden. Am Strand wurde zwischen Damen- und Herrenbad getrennt und es entstanden die ersten Umkleidekabinen aus Holz.

In der Neujahrsnacht 1904/1905 wird die Seebrücke durch eine gewaltige Sturmflut zerstört. Im gleichen Jahr wird sie wieder aufgebaut und erhält den Namen Prinz-Heinrich-Brücke. 1906 wird das Kurhaus durch einen Brand zerstört und 1908 wieder aufgebaut. Am 28. Juli 1912 ereignet sich eine Katastrophe an der Seebrücke. Beim Anlegemanöver eines Dampfers zerbrach ein hölzerner Querbalken und riss ca. 50 Menschen mit ins Wasser, 17 Menschen verloren ihr Leben. Dieses Ereignis war der Anlass für die Gründing der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) 1913 in Leipzig. Nach dem ersten Weltkrieg zählten zu den Gästen vor allem Ärzte, Juristen, Offiziere und Beamte.

Ab ca. 1925 setzt sich das Freibaden durch und die Badeanstalten werden bis 1932 abgerissen. Das Postgebäude in der Zeppelinstraße (heute Appartementhaus „Altes Postamt“) wird 1928 in Betrieb genommen.

Im Jahr 1936 beginnen die Arbeiten am KdF-Seebad Prora (KdF = Kraft durch Freude). Weitere Informationen dazu erhalten Sie auf: http://www.museum-prora.de/. 1938 wird das Bahnhofsgebäude Binz erbaut und ein Jahr darauf erhält Binz Großbahnhofan-schluss.

Die Seebrücke wird 1942 ein weiteres Mal durch Eis zerstört und nicht wieder aufgebaut. Während des 2. Weltkriegs werden die meisten Häuser als Lazarette und zur Unterbringung von Zivilisten genutzt, die vor Bombenangriffen fliehen mussten. Nach dem Krieg belegen Flüchtlinge und Umsiedler Hotels, Pensionen und Villen in Binz. Nach 1950 entstehen Kasernen für die Volkspolizei im ehemaligen KdF-Bad Prora, die später von der Nationalen Volksarmee genutzt werden.

1953 werden die meisten Hotel- und Pensionsbesitzer bei der “Aktion Rose” enteignet oder vertrieben. Die Häuser werden als Mietwohnungen und Ferienheime genutzt. Der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) übernimmt 1956 das erste Ferienheim (“Seeschloss”). In den 70er Jahren entstehen weitere Ferienheime für den FDGB. Binz wird zum „Arbeiterseebad“.

Mit der politischen Wende 1990 setzen große Veränderungen in Binz ein. Viele Villen werden an die früheren Eigentümer zurück übertragen. Die Häuser werden saniert, rekonstruiert oder neu aufgebaut und wieder als Hotels, Pensionen oder Appartementhäuser genutzt. Auch die ehemaligen Ferienheime des FDGB werden privatisiert, völlig modernisiert, wobei viel Wert auf eine bauliche Anpassung an die Häuser der Bäderarchitektur gelegt wird. Die Stra-ßen und Bürgersteige werden umfangreich instand gesetzt.

Nach über 50 Jahren ohne Seebrücke wurde im Mai 1994 in Binz die neue 370 m lange See-brücke eingeweiht. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends wird das Haus des Gastes eröffnet, der Kurpark wird neu gestaltet und der „Park der Sinne“ am Schmachter See wird eingeweiht. Heute ist Binz das größte Seebad der Insel Rügen. Mit 1.872 Sonnen-
scheinstunden pro Jahr lockt es zahlreiche Urlauber an den breiten, feinsandigen Strand.